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Die kleine Schnecke |
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| Pascal Koller |
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| Gestern geschah etwas Unglaubliches. Der Himmel war schwarz und die Nacht war kalt. Wegen der Kälte nahm ich eine kleine Abkürzung. Ich rannte bei der blauen Post um die Ecke – Poststellen sind normalerweise grau oder orange. Doch diese ist blau, die Blauste, die ich je gesehen hatte. Ich stürzte also wie von einer riesigen Tarantel gestochen um die Ecke und dann geschah es. Ich zertrampelte eine kleine Schnecke und zerquetschte ihr rundes Häuslein. Du glaubst das ist nicht so schlimm? Bist du schon einmal zertrampelt worden und dein Haus wo du drin wohnst zerquetscht? Eben, dann kannst du auch nicht mitreden. Ich nahm also die schwer verletzte Schnecke behutsam in meine warmen Hände und machte mich auf den Weg zum Schneckenreparaturdoktor. Die Wärme meiner Hände hielt sie am Leben. Der Schneckenreparaturdoktor ist ein alter Mann. Er ist klein und runzlig, meistens lacht er und macht irgendwelche lustigen Spässe. Er schaute sich den Verletzen genau an und sagte: „ Den rechten Lungenflügen gequetscht, die Milz leicht angerissen, sieben schmerzhafte Rippenbrüche, das Trommelfell ist geplatzt, eine leichte Drehung im Magen aber sie wird es schaffen, sie kommt durch.“ Nachdem er sie also aufs Genauste untersucht hatte, nahm ich den kleinen Unfallbruder nach Hause. Wisst Ihr, jeder macht seine Gedanken wegen dieser Geschichte. Die einen denken ich habe einen Knall, die anderen finden endlich wieder einmal ein Mensch, dem die anderen Lebewesen etwas bedeuten. Naja, soll doch jeder selbst entscheiden, was er glauben will. Ich ging dann auf direktem Weg nach Hause. Kaum angekommen, bastelte ich den ganzen Nachmittag ein Häuslein für die Schnecke. So etwas Modernes hat noch keine Schnecke gehabt. Ich baute eine kleine Heizung ein, die neuste Stereoanlage (die Beste die es gab), und ins grösste Zimmer stellte ich noch ein bequemes Sofa, damit sich die Schnecke nach ihren langen Wanderungen erholen kann. Schnecken wandern nämlich wie die Weltmeister. Sie wandern und wandern den ganzen Tag nur um ein paar Meter zurückzulegen. Und dass mit ihrem ganzen Haus auf dem Rücken. Kein Wunder, dass sie beim Wandern so laut keuchen und schnaufen und vor lauter Anstrengung eine riesige Schleimspur hinterlassen. Jaja so ist das Tierreich. Die einen schleppen wie verrückt, andere sind unheimlich fleissig und wiederum andere schnell wie der Wind. |
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Pascal Koller
www.mondfeuer.ch |
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